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Anlässlich des Weltsuizidpräventionstages 2020 war ein Vortrag von Freya von Stülpnagel geplant.
Sie ist Juristin, Trauerbegleiterin, Autorin und Referentin zum Thema Trauer. Sie selbst hat ein Kind durch Suizid verloren und hilft seitdem Menschen in gleicher Lage. Für ihr Engagement wurde sie vom Freistaat Bayern und der Bundesrepublik ausgezeichnet.

Frau Stülpnagel hat mehrere Bücher zum Thema Trauer nach Suizid verfasst.

Aus einem Interview mit Freya von Stülpnagel:

„Soll man Menschen, um die man sich Sorgen macht, direkt fragen, ob sie womöglich daran denken, sich das Leben zu nehmen?
Viele denken, wenn sie das ansprechen, kommt der andere erst auf die Idee. Aber das stimmt nicht. Das Gegenteil ist wahr:
Die Menschen fühlen sich ernst genommen und angenommen, es interessiert sich jemand für sie und ist bei ihnen.“

„Kann man nach dem Suizid eines nahen Angehörigen jemals wieder zurückkehren in ein „normales“ Leben?“
Trauer ist ein Prozess. Ein bewegender, ein sich verwandelnder Prozess. Wir brauchen ganz viel Zeit, eine solche Erfahrung ins Leben zu integrieren. Ich kann für mich sagen, dass ich mich heute wieder freuen kann, dass ich lachen kann und sinnerfüllt lebe. Aber der Tod meines Sohnes bleibt das Trauma meines Lebens. Es ist nichts mehr so wie früher, das Unbeschwerte ist verloren gegangen, aber mein Leben ist ein erfülltes Leben.

„Es ist sicher schwierig, über den Suizid des eigenen Kindes zu sprechen.“
Das stimmt, denn es gibt jede Menge Vorurteile und Tabus. In der Stadt hat sich da vielverändert. Aber gehen Sie mal aufs Land. Da gibt es noch Vorurteile, trotz aller Verbesserungen. Viele Leute denken, dass da ja irgendetwas gewesen sein muss in der Familie. Etwa, dass der Sohn doch bestimmt Drogen genommen hat. Die Menschen wollen immer eine Erklärung, weil sie das Unerklärliche nicht aushalten. Ein Suizid kann aber in jeder Familie passieren.
Darüber sprechen kann also helfen. Was können Sie Angehörigen noch raten?
Vom Verstorbenen Abschied zu nehmen und eine schöne Trauerfeier zu gestalten. Offen mit dem Geschehenen umzugehen und Außenstehenden nicht etwa zu sagen, dass es ein Herzproblem oder so etwas war. Letztlich hilft uns nur die Wahrheit, um weiterzukommen. Das verlangt auch die Würde des Verstorbenen. Darüber hinaus rate ich, sich möglichst schnell Unterstützung zu suchen. Einen dauerhaften Rückzug halte ich für schwierig, besser ist es, mit vorurteilsfreien Menschen in Kontakt zu kommen.

„Schau hin, frag nach, rede drüber“: Unter diesem Motto steht hier in Würzburg der diesjährige Welttag der Suizidprävention am 10. September
Schau hin, frag nach, rede drüber! Für einen Menschen in einer Krise kann es lebensrettend sein, wenn jemand (Freundinnen, Eltern, Lehrerinnen, Arbeitskolleginnen, Kommilitonin, Vorgesetzte …) aus seinem Umfeld so handelt.

Wenn diese Person aufmerksam ist für Veränderungen im Ausdruck und Verhalten des Anderen;

Wenn sie dann Fragen stellt, die den Anderen dazu ermutigen, sich mit seinen Gefühlen mitzuteilen, und wenn sie mit wirklichem Interesse zuhört;

Und wenn sie bereit ist, auch über mögliche Suizidgedanken und Suizidabsichten offen mit dem Anderen zu sprechen:

Dann ist ein erster, ganz wichtiger Schritt zur Verhinderung eines Suizids getan, unmittelbar im Umfeld eines Betroffenen, durch einen aufmerksamen Mitmenschen.

Suizidprävention im Umfeld beginnt bereits, bevor sich eine belastende Lebenssituation oder eine akute Verlusterfahrung zu einer suizidalen Krise zuspitzt. Die Grundlage der Prävention ist Aufmerksamkeit, Interesse und Mut zu einem offenen Gespräch, in dem man den Betroffenen auch darin bestärken kann, sich Hilfe zu suchen.

Unterstützung und Entlastung, die möglichst unmittelbar und unkompliziert zu bekommen ist, kann in diesen Situationen lebensrettend sein.

Das können Gespräche im Gesprächsladen oder bei der TelefonSeelsorge sein. Und wenn die Suizidalität bereits im Vordergrund steht, ist auf jeden Fall Beratung und Unterstützung durch die Mitarbeitenden des Krisendienstes anzuraten. An alle drei Stellen können sich auch Menschen wenden, die in Sorge sind um einen Angehörigen oder eine Freundin in der Krise und die klären wollen, was sie tun können.

Der Krisendienst Würzburg ist eine spezialisierte Beratungsstelle für Menschen in akuten Krisen und bei Suizidgefahr. Auch Angehörige und andere Bezugspersonen von Menschen in Krisen finden hier Unterstützung. Er wurde im letzten Jahr von 485 Personen für telefonische und persönliche Beratung aufgesucht. Beim täglichen nächtlichen Bereitschaftsdienst meldeten sich insgesamt 601 Menschen, um Unterstützung in einer akuten Krisensituation zu bekommen.

Bei den knapp 12.000 Gesprächen, die die Mitarbeitenden der TelefonSeelsorge Würzburg im letzten Jahr führten, spielte in jedem zehnten das Thema Suizid eine Rolle, meistens ging es um eigene Suizidgedanken, seltener auch um konkrete Suizidabsichten, frühere Suizidversuche oder um einen gefährdeten Angehörigen oder Freund. Aktuell werden täglich 41 Gespräche am Telefon und 3 im Chat geführt, am Telefon geht es im Schnitt bei 3 dieser Gespräche um das Thema Suizidalität, im Chat bei einem von 4.

Im Gesprächsladen suchen an jedem Öffnungstag etwa 10 Personen Hilfe und Entlastung in einer Lebenskrise oder belastenden Lebenssituation. Vielen dieser Menschen fehlen in ihrem Umfeld andere Menschen, die hinschauen, nachfragen und über das, was das Leben schwer macht mit ihnen reden.

Für durch Suizid Hinterbliebene ist die Selbsthilfegruppe AGUS eine wichtige Hilfe, erst einmal für das eigene Weiterleben nach ihrem Verlust und als Schutz vor eigener Suizidalität, und als Unterstützung für die Neuorientierung im eigenen Leben.

Damit Menschen in einer Krise erfahren, dass sich jemand sorgt, mit ihnen spricht, ihnen zuhört und sie unterstützt, dafür arbeiten Krisendienst, Gesprächsladen, TelefonSeelsorge und AGUS.

Der Krisendienst am Kardinal-Döpfner-Platz 1 ist Montag bis Freitag von 14:00 bis 18:00 geöffnet, Telefon 0931 / 571717, und täglich von 18:30 bis 0:30 ist unter derselben Nummer ein telefonischer Bereitschaftsdienst erreichbar.

Die TelefonSeelsorge ist rund um die Uhr unter der gebührenfreien Rufnummer 0800 1110111 erreichbar. Zudem bietet sie auch Hilfe online an, im Chat oder per Mail: www.telefonseelsorge.de

Der Gesprächsladen am Dominikanerplatz 1 hat Montag bis Freitag von 10:00 – 13:00 und 14:00 – 17:00 (Mittwochnachmittag geschlossen) eine offene Tür.

Die Ansprechpartnerin bei AGUS ist Helga Mend, Telefon O931 94362.

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pdfWeltsuizidpräventionstag 2020

Weltsuizidpräventionstag 2020

Informationen zum Weltsuizidpräventionstag finden Sie unter welttag-suizidpraevention.de.

 

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