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Montagvormittag, 30. März, ich bin im Büro, mein Handy klingelt, ich melde mich, dann: „Das Bundespräsidialamt, ich verbinde Sie“ und unmittelbar danach eine Stimme, die wohl jede*r von uns kennt, mit den Worten: „Frank-Walter Steinmeier hier, Frau Belzner, ich grüße Sie.“

Gut, dass ich vorgewarnt war: Drei Tage vorher hatte ich einen Anruf seiner Referentin bekommen, mit der Anfrage, ob ich zu einem Gespräch mit dem Bundespräsidenten bereit wäre. Seine geplanten Dienstreisen seien bis auf weiteres ausgesetzt und er nutze die Zeit, um Menschen anzurufen, die in Bereichen arbeiten, die für das Land jetzt besonders wichtig sind. Dazu gehöre auch die TelefonSeelsorge und ich sei ihm aus dem Büro des Bevollmächtigten des Rates der EKD in Berlin als Gesprächspartnerin für diesen Bereich empfohlen worden.
Und gut, dass ich mich bei der Referentin bezüglich der korrekten Anrede vergewissert hatte: Ausschließlich „Herr Bundespräsident“.
Andernfalls hätte ich auf seinen Gruß an diesem Montagvormittag sicher spontan mit „Grüß Gott, Herr Steinmeier“ reagiert. Allerdings kann ich mir nicht vorstellen, dass er verschnupft reagiert hätte, ich glaube, er hätte gelacht und mich dann freundlich über das Protokoll aufgeklärt.
Aufgeregt war ich nur ganz am Anfang des knapp halbstündigen Gesprächs. Herr Steinmeier, sorry, „Herr Bundespräsident“ war so beeindruckend nahbar, unprätentiös und wirklich interessiert, dass jede Anspannung schnell weg war – nicht aber die Konzentration, die auch bei meinem Gesprächspartner deutlich wahrnehmbar war.
Als erstes wollte er wissen, was wir in der TelefonSeelsorge aktuell erleben. Er war beeindruckt, wie viele und wie unterschiedliche Menschen an wie vielen Standorten telefonieren, mailen und chatten – und das ehrenamtlich; und dass wir seit Beginn der Corona-bedingten Einschränkungen unsere Präsenz nicht hatten einschränken müssen, sondern dank vieler engagierter Mitarbeitender in vielen Stellen sogar verstärken konnten.
Dann wurde das Gespräch zu einem Gedankenaustausch: wie man am besten mit der pausenlosen medialen Präsenz des Themas „Corona“ umgeht (so oft wie möglich abschalten, das fanden wir beide), wie Solidarität mit Schwächeren in dieser Pandemie-Situation aussehen kann (da erzählte er mir u.a., wie Obdachlose in Berlin mit an Zäune gehängten „Care-Paketen“ unterstützt werden), und vor allem, was es bedeutet, nun mit ganz vielen Unsicherheiten zu leben und – wo man Verantwortung hat – mit diesen Unsicherheiten Entscheidungen treffen zu müssen. Spürbar war da die Wertschätzung des Bundespräsidenten für alle, die Verantwortung übernehmen – und ausdrücklich hat er seine Wertschätzung für die hauptamtlich und ehrenamtlich Mitarbeitenden der TelefonSeelsorge betont. Und wir bedauerten es, dass Unsicherheitstoleranz nicht auf Rezept zu bekommen ist.
Was ich nicht gefragt habe, was ich allerdings schon gerne wüsste: Wie ist die TelefonSeelsorge in das Blickfeld des Bundespräsidenten gerückt? Aber egal, ob das seine eigene Idee oder die eines Denkers oder einer Denkerin im Hintergrund war: Dass wir als eine Einrichtung, die in schwierigen Zeiten besonders wichtig ist, „geadelt“ wurden, das freut mich sehr für alle, die zur TelefonSeelsorge gehören.

Daraufhin folgte im Januar 2021 ein Videogespräch mit dem Bundespräsidenten. Auf der Internetseite des Bundespräsidenten www.bundespräsident.de, sowie auf Instagram können Sie es ansehen. www.instagram.com/bundespraesident.steinmeier und Facebook www.facebook.com/Bundespraesident.Steinmeier

 

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